Sag's multi

Lockdown - wenn's sein muss. Aber deswegen auch Knock-out? Nicht für Berina Kulaš! Die BORG-Schülerin gewinnt – trotz Corona – in ihrer Altersklasse beim mehrsprachigen Redewettbewerb „Sag’s Multi”

Auch dieses Jahr fand Ende Jänner am BORG Innsbruck wieder die Regionalrunde des mehrsprachigen Redewettbewerbs statt. Sechs TeilnehmerInnen aus unsere Schule traten mit einer zweisprachigen Rede vors Publikum: Berina Kulaš (5a, Bosnisch), Maria Musharraf (6b, Paschto), Thomas Trajan Pittracher (5d, Englisch), Julia Schwarz (7d, Englisch), Miriam Tanzer (6c, Englisch) und Albena Todorova (7d, Bulgarisch). Trotz harter Konkurrenz aus Tirol, Vorarlberg und Salzburg gelang es vier von ihnen, sich für die Finalrunde zu qualifizieren. Eine Fahrt nach Wien lockte – bis Covid 19 diese (und alles andere) blockte.

Die findigen Veranstalter ließen sich dadurch aber nicht unterkriegen und luden statt real zu einem virtuellen Finale (mittels Video) ein. Ebenso digital fand auch die mit Spannung erwartete Preisverleihung statt – Jubel am BORG für Berina Kulaš! Der Hauptpreis für sie und die anderen GewinnerInnen: Eine Woche chillen in Kroatien.

Mit ihrer sonoren Stimme, ihrer lebendigen Mimik und ihren ausdrucksstarken Gesten zieht dich Berina sofort in ihren Bann. Gekonnt setzt sie Überraschungseffekte ein und hält ihr Publikum dadurch mühelos bei der Stange.

In ihrer Rede mit dem Titel „Wegschauen verboten, weiterdenken erlaubt“ thematisiert sie Gewalt, insbesondere gegen Kinder und Frauen. Abwechselnd in deutscher und bosnischer Sprache spannt die 15-Jährige den Bogen von Bombardements in Syrien bis zu alltäglichen Gewalttaten in unserer nächsten Umgebung. Sie prangert an, dass wir auf schockierende Nachrichten und Bilder kaum oder nicht reagieren, und macht uns bekannt mit dem Schicksal von Abdullah al-Mohammed und seiner dreijährigen Tochter Salwa, die beide in der syrischen Provinz Idlib im permanenten Bombenhagel lebten. Ein Videoclip zeigt den syrischen Vater, wie er seine Tochter bei jeder Explosion zum Lachen brachte, um sie vor einer Traumatisierung zu bewahren. Dieses Videoclip ging um die Welt und ermöglichte der Familie schließlich die Flucht in die Türkei. Eindringlich versucht uns Berina Kulaš vor Augen zu führen: „Wir müssen lernen, dass nicht nur unsere Handlungen, sondern auch das, was wir nicht machen, Konsequenzen hat.“

Die Sieger-Reden sind auf der Homepage von "Sag's multi" sowie über Youtube abrufbar. Folgender Link führt dich direkt zur achtminütigen Rede von Berina: https://www.youtube.com/watch?v=QfYRiMlbUO8&list=PL8FrD8yWpbx1Uao9gOMGgN1EbyM4yCrBy&index=58

Stimmen unserer SchülerInnen aus dem Publikum:

Was mich persönlich an diesem Wettbewerb fasziniert, ist der Mut, den die TeilnehmerInnen mitbringen, um vor einem großen Publikum zu stehen und ihre Lebensgeschichten in zwei Sprachen zu präsentieren. Außerdem finde ich es bewundernswert, wie groß die Vielfalt an Sprachen in Tirol ist. Da auch ich eine andere Muttersprache und Migrationshintergrund habe, war das heurige Thema für mich sehr eindrucksvoll und zutiefst berührend. Als ich dasaß und mitbekam, was manche erlebt hatten, wurde mir bewusst, dass nicht nur ich, als ich nach Innsbruck umgezogen bin, mit Hindernissen zu kämpfen hatte, sondern dass es Hunderte, wenn nicht Tausende Jugendliche gibt, die das Gleiche durchstehen mussten. Damit meine ich das Erlernen der deutschen Sprache und das Kennenlernen der neuen Umgebung. Manche Reden gaben mir Mut und Stärke, andere wiederum weckten in mir Gefühle und Erinnerungen. Genau aus diesem Grund ist „Sag´s Multi“ eine wunderbare Gelegenheit für die ZuhörerInnen, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Vielleicht wird dadurch auch mehr Empathie für Personen mit Migrationshintergrund geweckt. Der wichtigste Aspekt in Bezug auf diesen Wettbewerb ist für mich die Möglichkeit, in der eigener Muttersprache reden zu können. Denn im Alltag passiert es wahrscheinlich sehr selten, dass man sich in der eigenen Muttersprache verständigen kann. Leider hatte ich in diesem Jahr keine Zeit, bei „Sag´s Multi“ mitzumachen, da ich in der Maturaklasse bin, sonst wäre es auch für mich die perfekte Gelegenheit, über meine Migrationsgeschichte zu sprechen.

Marta Stawowczyk, 8b

Ich finde den Redewettbewerb „Sag’s Multi“ aus zahlreichen Gründen sehr faszinierend. Einerseits wegen der verschiedenen Sprachen, die bei diesem Redewettbewerb gesprochen werden. Ich finde es schön, dass man Sprachen kombinieren kann und so jeder und jede, auch diejenigen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, ihre Gedanken mit dem Publikum und der Jury auch in ihrer Muttersprache teilen können. Es zeigt, dass sich niemand ausgeschlossen fühlen muss, nur weil die Muttersprache eine andere ist. [...] Es ist toll zu sehen, wie Menschen sich in zwei verschiedenen Sprachen so gut ausdrücken können. Das ist eine Fähigkeit, die Anerkennung verdient.

Was mich jedes Jahr fasziniert, sind die [...] immer interessanten Themen, über die man ewig diskutieren könnte. Dass es dann Leute gibt, die ihre Meinungen und Gedanken mit anderen teilen, die aufstehen und sich trauen ihre Meinungen sagen, finde ich auch mutig und davor habe ich großen Respekt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer [...] finde ich sehr faszinierend. „Sag’s Multi“ ist mehr als nur ein Redewettbewerb. Man braucht Mut, eine eigene Meinung, die Freude und Begeisterung für Sprachen und einfach den Willen, aufzustehen und Stellung zu nehmen.

Patrick Jünger, 8b

Text: Bettina Harandi-Riedmann, Thomas Redinger
Photo by Andreas J. Stone mit freundlicher Genehmigung des Vereins Wirtschaft für Integration