Juden in Tirol 1 Juden in Tirol 2 Juden in Tirol 3

Juden in Tirol 2


Im 20. Jahrhundert

Die Förderung des Zionismus in der jüdischen Jugend Innsbrucks war nicht erfolglos. Bereits 1925 wanderten fünf Kinder der Familie Schwarz mit ihrer Mutter nach Palästina aus.

Einige weitere Innsbrucker folgten ihnen in den nächsten Jahren als junge Erwachsene. Manche orientierten bereits ihre Ausbildung am Ziel der " Aliyah", der Auswanderung nach Palästina, und erlernten ein zusätzliches Handwerk oder absolvierten landwirtschaftliche Kurse. Daneben lebten aber auch viele jüdische Familien völlig assimiliert, areligös und ohne sich in jüdischen Vereinen zu organisieren. Nur von den Antisemiten wurden sie als Juden registriert und "angepöbelt". Mit der Kultusgemeinde hatten sie nur in Standesangelegenheiten zu tun, für die bis 1939 die jeweilige Religionsgemeinschaft zuständig war.

Das religiöse Leben der Juden hatte sich auch nach der Übersiedlung des Rabbiners Dr. Josef Link von Hohenems nach Innsbruck kaum geändert. Einige Innsbrucker Juden gingen auch Ehen mit katholischen oder evangelischen Partner ein, konvertierten und lebten zwar bis 1938 unbehelligt, waren jedoch immer wieder Anfeindungen rassistischer Antisemiten ausgesetzt.

Das politische Klima in den 20er Jahren unseres Jahrhunderts veranlaßte einige jüngere Familien aus Innsbruck abzuwandern; sie gingen hauptsächlich nach Wien oder ins Ausland. Die jüdische Gemeinschaft wurde immer älter. Die Nationalisten als radikalste Gruppierung führten in den Zwanzigerjahren in ihrem Blatt "Der Nationalist" einen Judenkataster; 1929 erschien in der deutsch-nationalen Zeitung "Alpenland" neuerlich ein Flugblatt mit dem Titel "Wer ist Jude". Eine weitere Liste mit jüdischen und diesmal auch sozialdemokratischen Geschäften folgte anläßlich des "Gau-Turnfestes", das Anfang der 30er Jahre in Innsbruck stattfand. Als Reaktion auf die immer häufiger werdenden tätlichen Angriffe von antisemitischen Jugendgruppen nahmen die organisierten jüdischen Jugendgruppen an Selbstverteidigungskursen teil.

bild3.jpg (18412 Byte) Ausflug des jüdischen Sportvereins auf die Mutterer Alm bei Innsbruck (1935)

zurueck.jpg (1922 Byte)

weiter.jpg (1761 Byte)